Ganz grüne Wolle – Teil 1: Welche Garne aus Naturfasern gibt es

Den vegan oder bewusst(er) lebenden Leuten unter Euch ist sie bereits bekannt: die ganz grüne Wolle. Sie besteht aus Naturfasern und ist damit völlig tier(leid)frei.

Im ersten Teil meiner „ganz grünen Wolle“ Reihe, will ich Euch die reinen Naturfasern vorstellen und von jedem etwas dazu erzählen. Natürlich sind sie alle zum Stricken geeignet, sonst wäre mein Artikel sinnfrei 😉

Im zweiten Teil stelle ich Euch dann die entsprechenden Onlineshops vor, wo es die Naturfasern auch zu kaufen gibt.

So, dann hier erst mal zu: Welche Garne aus Naturfasern gibt es?

 

  • Baumwolle

Jeder kennt und liebt sie: die gute alte Baumwolle.

Die Baumwolle zählt zu den Malvengewächsen und wird unter anderem in der Türkei, Indien, Pakistan, Peru, USA, Ägypten und seit zirka zehn Jahren auch in Syrien angebaut.

Bis auf wenige Sorten in Indien, sind die meisten Pflanzen nur einjährig. Folglich muss die Baumwolle Jahr für Jahr neu angebaut werden. Die sonnenhungrige Pflanze benötigt zirka 200 frostfreie Tage, bis die Früchte reif sind. Für ein ordentliches Wachstum braucht sie ferner über 500 mm Niederschlag pro Jahr.

Bio-Baumwolle mit dem GOTS-Siegel unterstützt die hohen sozialen Standards für Arbeiter in Entwicklungsländern. Also keine Kinderarbeit, Schutz bei der Gewinnung und dem Färbeverfahren etc. Zudem wird geholfen, unsere Umwelt zu schonen, in dem vermieden wird, dass zum Beispiel Gifte in die Gewässer gelangen.

 

  • Leinen

Leinen wird aus den Bastfasern des Echten Leinen oder Flachs hergestellt. Flachs ist eine nachhaltige Pflanze die sich für den ökologischen Anbau eignet. Sie gedeiht am besten, wenn sie in Fruchtfolge mit anderen Pflanzen angebaut wird.

Flachs ist umweltfreundlich, benötigt nur wenig Bewässerung, lässt sich unter geringem Energieaufwand bearbeiten und ist biologisch abbaubar. Er kommt meist ohne chemischen Dünger und Pflanzenschutzmittel aus und falls man doch auf diese Mittel zurückgreifen muss, reicht etwa ein Fünftel der für Baumwolle benötigten Menge.

Leinen ist außerdem bis zu zwölf Mal reißfester als Baumwolle, sodass sich Leinenprodukte bedeutend länger nutzen lassen und nicht so oft ersetzt werden müssen. Je öfter der Stoff getragen wird, desto weicher und stärker wird er.

 

  • Hanf

Die Fasern dieser Pflanze werden, ähnlich wie bei Leinen, aus den Bastfasern der Cannabis gewonnen. Durch den dichten, hohen Wuchs wird Unkraut unterdrückt, weswegen Hanf ohne Herbizide angebaut werden kann. Pflanzenschutzmaßnahmen gegen Insekten oder Pilzkrankheiten sind ebenfalls nicht erforderlich. Hanf ist unempfindlich, auch weil er mit anderen Kulturpflanzen (außer Hopfen) nicht verwandt ist.

Eine schöne Eigenschaft ist die mikroelektrische Spannung, die exakt dem Spannungsklima unserer Haut entspricht. Somit sind Hanffasern das genaue Gegenteil von Kunstfasern. Sie wirken leicht und entspannend. Die Bastfasern können bis zu 30 Prozent Feuchtigkeit aufnehmen, ohne selbst chemisch zu reagieren oder auf der Haut zu kleben. Durch die Lufteinschlüsse hat die Hanffaser – ähnlich wie Seide – die Eigenschaft im Sommer kühl und im Winter warm zu sein.

 

  • Mais

Die weiche Maisfaser wird aus der bekannten Pflanzen Mais hergestellt. Der Mais wird einem einfachen Verarbeitungsverfahren unterzogen, bei welchem der entstandenen Pflanzenzucker in ein neues Material mit dem Namen PLA umgewandelt wird. Dieses Material wird wiederum traditionell zur flauschigen Maisfaser Ingeo versponnen. Das ist der Polyamid-Herstellung ähnlich, nur dass der Grundstoff eben Mais ist, also eine nachwachsende, leicht abbaubare Pflanzenfaser.

Maisfasern sind sehr fein und weich. Sie sind bestens hautverträglich und können bis 30°C in der Waschmaschine gewaschen werden. Das Garn ist luftdurchlässig und leitet die Feuchtigkeit vom Körper weg. Wegen ihrer hohen Elastizität und Langlebigkeit wird das Garn besonders bei Kindern empfohlen.

 

  • Bambus

Es gilt als schnell nachwachsender Rohstoff und als Alternative zu herkömmlichen Viskose-Grundstoffen, wie z. B. Buche, Birke oder Fichte. Die Gewinnung aus den langfaserigen Zellulose-Strängen der Stängel ist ähnlich energieaufwändig wie bei herkömmlicher Viskose. Dennoch ist Bambus, das speziell aus China kommt, oft preiswerter als Baumwolle oder Leinen.

Im unbehandelten Zustand verfügt Bambus gegenüber Baumwolle deutliche Vorteile. Bambus hat gute antibakterielle Eigenschaften. Es neutralisiert Gerüche und kann Feuchtigkeit sehr gut absorbieren. Im Viskose-Nass-Spinnverfahren gehen diese jedoch zu einem Großteil verloren.

Kritiker behaupten, dass die Bambusfasern nach der Umwandlung in Viskose nicht das Geringste mehr mit Bambus zu tun haben. Denn wenn man ein Gewebe aus Viskose kauft, ist unmöglich noch zu erkennen, aus welchen Zellulosefasern die Viskose gewonnen wurde.

 

  • Lenpur

Unter ökologischen Gesichtspunkten ist die Gewinnung von Lenpur noch interessanter als bei Bambus. Die großen Nadelbäume müssen noch nicht einmal gefällt werden, um ihren Zellstoff zu gewinnen. In einem patentierten Verfahren werden die Bäume so entästet, dass sie stehen bleiben und weiter ausschlagen können. Es kommt zu keiner Rodung der Wälder.

Lenpur-Fasern werden von den Spinnereien pur oder in Mischungen mit Baumwolle, Seide und Wolle angeboten. Das Produktionsverfahren ist sehr zeitaufwändig und daher kostenintensiv. Die Faser verfügt über eine hohe Feuchtigkeitsaufnahme und einen hohen Feuchtigkeitstransport und nimmt Gerüche schwer auf. Lenpur fühlt sich weich an.

 

  • Sojaseide

Die Sojafasern sind ein Nebenprodukt in der Herstellung von Tofu. Das Protein der Soja-Bohne wird durch ein spezielles Verfahren veredelt und nutzbar gemacht. Die Sojaproteinfasern geben ihre feuchtigkeitsspendenden Aminosäuren über die Kleidung auf die Haut ab.

Das Garn hat meistens eine leichte Bändchenoptik, ist fließend und sehr ergiebig. Es ist weich wie Kaschmir, doch viel pflegeleichter. Auch der Sojaseide wird die Eigenschaft nachgesagt, im Sommer eine kühlende Wirkung und im Winter ein angenehmes Tragegefühl auf der Haut zu hinterlassen. Sogar ein natürlicher UV-Schutz soll das Garn haben.

 

  • SeaCell

Das ist eine moderne Zellulose-Faser, die aus Meeresalgen gewonnen wird, ganz ohne den Einsatz von Chemikalien. Diese wachsen in den kalten Fjorden Islands und sind nicht nur voller Mineralien, sondern auch reich an Vitalstoffen. Der Grund dafür ist vor allem das reine und geothermale Meerwasser, in dem die Algen wachsen. Durch die Vitalstoffe, Mineralien und die fehlenden Radikale ist das Garn aus Algen quasi eine textile Anti-Aging-Pflege. Im Winter hält SeaCell angenehm warm, während es im Sommer einen kühlenden Effekt hat.

6 Kommentare

  1. Viola Keller · · Antwort

    Wieder ein total informativ und toll geschriebener Beitrag ….Klasse…weiter so bitte 🙂 !!
    Gruß aus dem Schwabenland Viola 🙂

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    1. Vielen herzlichen Dank für deine warmen Worte, liebe Viola. Das macht mich ganz seelig :)! Das motiviert ungemein :)!! LG Paula

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  2. Hallo 🙂
    eine schöne Seite hast du! Den Beitrag finde ich auch toll, ich war gerade auf der Suche nach veganer Wolle, da kam der Artikel hier gerade recht 🙂
    Ganz liebe Grüße,
    Nadine von der Ökofamilie

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    1. Hallo Nadine, wie schön, dass Du hier bist 🙂 Ich arbeite gerade am zweiten Teil meiner ganz grünen Wolle Reihe. Bitte noch um etwas Geduld 🙂 Ich wünsche Dir noch viel Spaß beim Stöbern und Lesen hier im Blog 🙂 LG Paula

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  3. […] ersten Teil aus meiner Reihe „ganz grünen Wolle“ habe ich Euch erzählt, welche Garne es aus Naturfasern […]

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  4. finde es persönlich ganz super, dass immer mehr menschen auf naturprodukte setzten und sich informieren, wo denn die eigene wolle auch wirklich herkommt und wie diese zu wolle geworden ist, unter welchen bedingungen die tiere vielleicht waren und so weiter. echt super beitrag!

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