Baba, liebes Wien, schee war´s bei Euch

vienna_goodbye

Schon wieder geht´s ans Kartons packen, Geschirr in Papier und Luftpolsterfolie einwickeln, ausmisten und schlichten. Schon wieder hab ich Muskelkater am laufenden Band, hebe, schnaufe, hieve die schweren Kisten, staple sie aufeinander, werde von einem Turm Umzugskartons fast erschlagen. Noch mehr schnaufen, umschlichten und sortieren. Ich habe immerhin schon mehr als die Hälfte geschafft und das zwei Wochen vor dem Termin. Ich bin stolz darauf.

Was ist passiert? Heimweh, das ist passiert.

Pippi Langstrumpf hatte in der neuen Kindergruppe relativ schnell Anschluß gefunden, sich mit anderen Kindern angefreundet und wurde öfters zu Besuchen eingeladen. Ronja Räubertochter dagegen tat sich schwer, sich auf die neuen Lebensumstände und Leute einzulassen. Meine Wiener haben alles getan, damit wir uns wohl und sicher fühlen. Sie haben uns ein zu Hause gegeben, uns aufgefangen, behütet und beschützt. Ich weiß schon, warum ich sie lieb hab :* Und obwohl wir uns alle sehr darum bemühten und bemühen, Ronja und Pippi das spüren zu lassen, war mindestens eine von ihnen nach dem Kindergarten unrund. Es endete nicht selten in Aggressions- und Wutausbrüchen.

Abends, wenn wir drei uns beruhigt hatten und die Mädels im Bett lagen, blieb nur noch das Traurig sein übrig und viele Tränen kullerten die Wangen herunter. Dann saß ich noch lange tröstend, umarmend und schniefend bei ihnen und hörte mir ihre Sehnsüchte nach der Heimat und ihren/unseren Lieben an. Danach hing ich nur noch ausgebrannt auf dem Sofa, bis es am nächsten Morgen von vorne los ging.

Baba, liebes Wien, schee war´s bei Euch.

Ich habe mein Bestes gegeben. Das sage ich mir immer wieder, aber so ganz ohne meine Familie und mein soziales Netzwerk an lieben Freunden, ohne die Unterstützung, die ich so bitter nötig habe, geht es nicht. Das habe ich auf schmerzhafte Weise erkannt. Hier hätte ich Jahre gebraucht, um mir ein vergleichbares Netz aufzubauen. Als Alleinerziehende ist das unverzichtbar! Das bestätigt Jede/r, der/die in einer ähnlichen Situation ist. Sicher, die Verbindung zu meinen Lieben aus der Heimat war immer da, Internet sei Dank, und auch Besuche haben wir gemacht.

Am Ende war das Heimweh, das Familien, Freunde und Umgebungsweh zu viel: „Mami, es war schee hier, aber jetzt woll ma wida hoam.“ Für mich ist das eine Zerreißprobe. Ich wollte fünfzehn Jahre lang nach Wien und jetzt muss ich wieder gehen. Ich seufze, schlucke und verdrücke mir die Tränen. Oft genug auch weniger erfolgreich. Sollen die Mädchen ruhig sehen, wie es mir geht. Und doch ist es wichtig, meine Kinder wichtig zu nehmen, ihre Stimmen zu hören und anzunehmen, was sie zu sagen haben. Es ist genauso ihr Leben wie auch meines und wenn ich nach einem halben Jahr immer noch nicht wahrgenommen habe, dass es sie nach Hause zieht, dann weiß ich es auch nicht mehr.

Dahoam is Dahoam.

Ich organisiere, plane und koordiniere. Ohne den Familienkalender von Nicola Schmidt wäre ich im übrigen völlig aufgeschmissen. Ich habe den Planer seit Anfang des Jahres und konnte darin unseren Umzug nach Wien und jetzt zurück nach Deutschland komplett planen, ohne dabei etwas aus den Augen zu verlieren. Zeitgleich spendeten mir ihre kleinen Anekdoten großen Trost, machten mir Mut und ließen mich nicht die Hoffnung verlieren. Danke Nicola.

So, das musste gesagt werden. Zurück zum planen, koordinieren und organisieren. Es fühlt sich an, als würde ich die Erde, nein Himmel und Hölle bewegen, damit wir uns wieder in unser schönen Heimat ansiedeln können – im Idealfall sogar in der Ecke, wo wir gewohnt haben. Ich kann nur hoffen, dass ich das irgendwie hin bekomme.

Zwischendurch höre ich sie zueinander sagen: „Willst du doch hier bleiben?“ Da kann ich nur noch den Kopf schütteln. Meine Mädchen sind sich der Tragweite der gefallenen Entscheidung gar nicht wirklich bewusst. Wie denn auch? Sie freuen sich einfach nur sehr auf ihre alte Umgebung, auf ihre Freunde und Familie. Ich mich schon auch, aber mit einem lachenden und weinenden Auge.

 

Bis bald und seid lieb gegrüßt,

eure Paula

 

 

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